Die unendliche Geschichte der Magnolie

Magnolie

Die Urahnen der Blütenpflanzen

Wunderschön, zart und mit betörendem Duft blüht gerade für kurze Zeit die Magnolie in zahlreichen Gärten und Parks. Für mich ist sie das Sinnbild des Frühlings. Auch wenn es jetzt nochmal kalt werden kann, man kann sich sicher sein: Das Frühjahr ist da! Schade, dass ihre Blütezeit so schnell vorüber geht, denn ich kann mich an ihr nicht satt sehen. Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr. Aber nur Schönheit? Nein, die Magnolie hat weit mehr zu bieten. Lest weiter und lasst euch überraschen.

Die Magnolie kennt Dinosaurier bei ihrem Vornamen

Die Magnoliengewächse (Magnoliaceae) sind die ältesten Blütenpflanzen der Welt. Ihre ganze Familie, zu der fast 300 Baum- und Straucharten gehören, legt ein beachtliches Alter hin. 100 Millionen Jahre auf dieser Erde, was würde uns die Magnolie alles erzählen, könnte sie sprechen?

Zu einer Zeit als noch Dinosaurier den Erdboden erbeben ließen, wurde die zarte Magnolie geboren. Auch auf deutschem Boden, denn die Kreide Zeit war angenehm mild. Zu Nadelhölzern und Ginkgos gesellten sich langsam die Kinder der Magnolie: Die Bedecktsamer. Damit ist sie die Mutter aller Laubgehölze, Stauden und Gräser.

Doch als sich die Kreidezeit dem Ende zuneigte, ging auch die Ära der porzellananmutenden Magnolie zu Ende. Die Eiszeit legte sich über das Land und vertrieb die Magnolie von heute deutschem Boden nach Amerika und Asien. Vor allem im asiatischen Raum feierte sie große Beliebtheit. Der Kaiser der Tang-Dynastie soll sie sogar „zum Fressen gern“ gehabt haben. Angeblich verspeiste er die weißen Blütenblätter der weißen Yulan Magnolie. Auch dies ist schon weit über 1000 Jahre her. Immer noch erfreut sich der schöne Baum großer Beliebtheit in China. In Tempelanlagen finden sich über 800 Jahre alte Bäume.

Magnolie weiß

Die Königin kehrt zurück

Vor gerade einmal 240 Jahren ist die im Exil wachsende Magnolie zurückgekehrt, doch erneut steht sie vor einem Wendepunkt. Weltweit sind von 245 Arten mehr als die Hälfte, nämlich 132, auf der roten Liste zu finden. Grund ist diesmal allerdings der Mensch und unumsichtiges Handeln. Die Zerstörung der natürlichen Lebensräume und die immer größer werdende Landwirtschaft gefährden die Königin der Gehölze.

Ein Traum aus rosa und weiß, und mittlerweile auch knallgelb, erblüht jedes Frühjahr erneut. Sie verzaubert unsere Gärten für nur kurze Zeit um dann als matschiger, brauner Überbleibsel zu Boden zu fallen. Eine Demonstration von Jugend und Alter im Zeitraffer. Erstrahlen, verwelken, sterben und schließlich neu erschaffen, wiederbelbt. Die Magnolie zeigt uns mit ihrer Anmut, ihrer Schönheit und schließlich in ihrer schnellen Vergänglichkeit, unser eignes Leben, welches nicht anders verläuft, nur in länger andauert.

Doch das Magnolienjahr ist noch nicht zu Ende. Kaum sind die Blüten gefallen, finden wir die einzigartigen Früchte des Baumes, die glatt als Miniananas durchgehen könnten. Und gleich im Anschluss dürfen wir uns an den farbenstrahlenden Samen erfreuen, welche für unsere heimischen Wildvögel zusätzlich Nahrung bieten.

Die anmutige Diva des Frühlings verwandelt jedes Stückchen Grün in einen Zaubergarten. Lasst auch euch in ihren Bann ziehen und ein bisschen vom Frühling verzaubern.

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